2024-01-24_KSTA_Wupsi verägert Anwohner in Quettingen

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  • Zuletzt aktualisiert 24/01/2024

2024-01-24_KSTA_Wupsi verägert Anwohner in Quettingen

2024-01-24_KSTA_Wupsi verägert Anwohner in Quettingen

2024-01-24_KSTA-K_Die Wupsi hat die Kommunikation mit ihrer Zielgruppe verlernt

Trotz deutlicher Kritik: Das Verkehrsunternehmen verteidigt die Routenänderung der Linie 205 und 206

VON JANNE AHRENHOLD

Leverkusen - Im Dezember 2023 hat die Wupsi ihren Fahrplan umgestellt. Insbesondere bei einigen Anwohnerinnen und Anwohnern in Quettingen sorgte das für Unmut. Denn durch die Verlegung der Linien 205 und 206 entfällt der Halt an der Görlitzer Straße ersatzlos. Lediglich ein Schulbus fährt die Haltestelle auch in Zukunft an. 13 Beschwerden seien seit den Änderungen allein bei der Wupsi eingegangen, das berichtet die Busverkehrsgesellschaft auf Anfrage. Hinzu kommen einige Leserbriefe, die diese Zeitung erreichten.

Gerade Seniorinnen und Senioren, aber auch Eltern mit Kinderwagen seien von der neuen Linienführung betroffen. Viele der älteren Menschen nutzten die Haltestelle Görlitzer Straße als Ausgangspunkt für die alltäglichen Einkaufsfahrten, etwa zu Aldi in der Lützenkirchener Straße oder Edeka in der Pommernstraße – beide waren erreichbar mit der ehemaligen Linie 206. Diese Fahrt ist nun gestrichen. „Hat niemand daran gedacht, wie viele alte Menschen im Bereich Quettinger Straße und Lützenkirchener Straße einschließlich Nebenstraßen wohnen?“, fragt sich Ulla Maksic.

Sie betreut einen Seniorenkreis der Evangelischen Kirchengemeinde in Quettingen. Mehr als die Hälfte der 75 Personen habe die Haltestelle regelmäßig genutzt – nicht nur zum Einkaufen, sondern zum Beispiel auch, um zu den Treffen des Seniorenkreises in der Kolberger Straße in Quettingen zu gelangen. Nach dem alten Modus habe das hervorragend funktioniert. Mit dem neuen Fahrplan überlegten sich die Leute, ob sie den nun längeren Fußmarsch wirklich auf sich nehmen können, erzählt Maksic. Sie fordert: „Dieser Fahrtroutenwechsel der Linien 205 und 206 sollte schnellstmöglich rückgängig gemacht werden.“

Die Wupsi sieht das anders. Nach einer Wiederbelebung der Route über die Feldstraße, an der die Haltestelle Görlitzer Straße liegt, sieht es derzeit nicht aus. Im Schnitt habe es dort für beide Linien nur einen neuen Einsteiger pro Fahrt gegeben. Das macht laut Wupsi-Sprecherin Kristin Menzel 200 Fahrgäste pro Tag. Außerdem sei die neue Linienführung nötig gewesen, um kürzere Fahrtzeiten für die Fahrgäste aus Lützenkirchen und Steinbüchel auf einem nun gradlinigen Fahrtweg zu erzielen. Noch dazu habe das Befahren der Feldstraße regelmäßig zu betrieblichen Schwierigkeiten geführt, sagt Kristin Menzel, Pressesprecherin der Wupsi. Durch die enge Straße, parkende Autos und das Abwarten des Gegenverkehrs sei es gerade in den Verkehrsspitzen zu größeren Verspätungen gekommen.

Die Wupsi verweist zudem auf drei weitere Haltestellen in der näheren Umgebung der Görlitzer Straße. Mit der Jakobistraße, der Torstraße und der Feldstraße stehen den Fahrgästen alternative Busstopps in einem Umkreis von 450 Metern zur Verfügung. „Das klingt erstmal wenig“, sagt Ulla Maksic, „doch so eine Strecke ist für betagtere Menschen nicht zu unterschätzen“.

Auch vom On-Demand-Angebot „Efi“, das die Wupsi auf Abruf als Alternative zum Linienverkehr anbietet und neuerdings auch den Anwohnenden von Quettingen verstärkt anpreist, hält Maksic wenig. Auf das Abruf-Taxi sei nicht immer Verlass. Durch die unsicheren Abfahrtszeiten könnten beispielsweise Arzttermine nur schwerlich wahrgenommen werden.

Schlechte Erfahrungen machte auch Adelheid S. mit dem Alternativ-Angebot. Nach dem Wegfall der Haltestelle Görlitzer Straße probierte es die 98-Jährige mit dem laut Wupsi „einfachen und flexiblen“ Transport-Ersatz. Immerhin: Der Dienst steht nicht nur Menschen mit Smartphone zur Verfügung. Die Fahrten können auch ohne App telefonisch gebucht werden. Doch einmal fand der Dienstleister den Zielort nicht, das andere Mal wartete die Quettingerin vergeblich auf den Bus-Ersatz. „Immer war es eine Pleite“, sagt sie. Sie verstehe nicht, warum sich die Wupsi dazu entschieden habe, ihre „Haus-Haltestelle“ nicht mehr anzufahren. „Und wenn es nur einmal pro Stunde wäre“, wünscht sie sich. Die Linie habe sie seit mehreren Jahrzehnten genutzt, das Efi-Angebot sei nur ein schwacher Trost. „Diese Unsicherheit macht einen krank“, sagt sie.

Krank und wütend hätte sie auch die Art und Weise gemacht, wie die Wupsi über die neue Routenführung informierte – aus ihrer Sicht nämlich gar nicht. Von einem Tag auf den anderen sei der Halt entfallen, erzählt sie. Viele warteten daraufhin trotzdem an der Haltestelle, ohne zu wissen, dass der Bus nicht mehr kommen wird.

Die Wupsi versäumte es, eine Information an der betroffenen Haltestelle auszuhängen, das räumt das Unternehmen selbst ein. Zwar seien Hinweise zur Strecken- und Fahrplanänderung im Voraus über die Monitore und Ansagen in Bussen, elektronische Anzeiger und die Homepage verbreitet worden. In den vorliegenden Unterlagen ist dort die Rede von einer „Änderung des Linienweges im Bereich Quettingen/Bahnstadt – Tausch des Linienweges mit Linie 205 bzw. 206“.

Dass der Halt an der Görlitzer Straße entfällt, wird so konkret allerdings nicht benannt. Auch scheint die Busverkehrsgesellschaft vergessen zu haben, dass nicht alle Kundinnen und Kunden ihre Webseite besuchen. „Ohne Internet oder Verwandte, die einen mit den Informationen versorgen, hat man keine Chance“, sagt Adelheid S. Auch hier seien die alten Menschen vergessen worden.

Zumal tauchte ein analoger Aushang im Wartehäuschen erst lange nach dem Fahrplanwechsel auf – mindestens drei Wochen später. Erst seit der zweiten Januarwoche stoßen auch Fahrgäste, die nicht regelmäßig die Online-Fahrplanauskunft prüfen, beim Warten auf den Hinweis zur „Aufhebung dieser Haltestelle“. Die Wupsi nimmt das nun zum Anlass, „die Kommunikation in Zukunft nochmal anzupassen.“

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