2024-06-03_KSTA_LB_ Landschaftsplan – Bürgerbusch sollte zum reinen Naturwald werden

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  • Zuletzt aktualisiert 03/06/2024

2024-06-03_KSTA_LB_ Landschaftsplan - Bürgerbusch sollte zum reinen Naturwald werden

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Bürgerbusch sollte zum reinen Naturwald werden
Die Bürgerinformation zum Landschaftsplanentwurf in der restaurierten Hauptschule im Hederichsfeld war sehr gut besucht.

Zu unserer Berichterstattung über den neuen Leverkusener Landschaftsplan

Die Veranstaltung der städtischen Verwaltung zum neuen Landschaftsplan in Schlebusch hat mich nachdenklich gestimmt. Trotz der besonderen Vorgeschichte des neuen Landschaftsplans wurden die wiederholten Fragen zu Möglichkeiten und Grenzen der bürgerschaftlichen Mitgestaltung nicht wirklich beantwortet.

Kriterien zu diesbezüglichen Entscheidungen wurden von der Verwaltung nicht genannt; erkennbare Modifizierungen im neuen Plan, basierend auf Bürgerbeteiligung, waren nicht erkennbar. Kann das anderes bedeuten als, dass die angeblich erwünschten Beiträge aus der Öffentlichkeit in Wirklichkeit gar keine Rolle spielen? Alle Bürgereingaben und -anträge „werden zur Kenntnis genommen“ war die vielversprechendste Aussage dazu.

Ambitioniert seien die Ziele der Stadt Leverkusen hinsichtlich der Fläche an Naturschutzgebieten, hieß es in Schlebusch. Dabei liegt die kommunale Zielsetzung deutlich unter dem Landesdurchschnitt in NRW. Leverkusen tut sich schwer mit dem Naturschutz. Und das, obwohl wir hier mit dichter Besiedlung, Industrie, Autobahnen ohnehin schon überdurchschnittlich belastet sind, unser Stresslevel durch Lärm, räumliche Enge, dichte Besiedlung, Luftverschmutzung höher ist als anderswo. Umso wichtiger wären zum Ausgleich natürliche Schutz- und Erholungsräume.

Statt dessen wurde ein Plan aufgestellt, der ohne entsprechende politische Grundlage weitere potenziell zu bebauende Areale aufweist. Sollte damit ein neuer Flächennutzungsplan vorweggenommen und späterem Widerstand gegen weitere Denaturierung von Landschaft und Natur schon früh der Wind aus den Segeln genommen werden? Wessen Interessen stecken denn da hinter?

Die Verwaltung hat Mut: der Öffentlichkeit einen neuen Landschaftsplan vorzustellen, der zwar die zu schützenden Flächen vergrößert, aber die Vorschriften zu deren Schutz lockert. Keine Antwort auf die Frage, ob es sich dabei bei um eine „Lex Leverkusen“ oder um landesweit gültiges Recht handelt.

Selbst wiederholte Bekenntnisse der Dezernatsspitzen zur herausragenden Bedeutung der regionalen Landwirtschaft verbesserten die Stimmung der Landwirte nicht. Kein Verständnis der Verwaltung dafür erkennbar, dass die wirtschaftlichen Sorgen der Bauern nicht zuletzt auf Extremwetter infolge von Klimawandel und Verarmung der Böden durch intensive Landwirtschaft zurückzuführen sind; dass ein Landschaftsplan ein Mittel zur Gegensteuerung sein kann. Stattdessen Versprechen auf Lockerung der Naturschutzvorschriften. Mit anderen Worten: Ermöglichen eines „Weiter so“. Da wird heutzutage selbst unseren Abiturienten in Biologie mehr ökologische Kompetenz abverlangt.

Warum bietet die Verwaltung nicht alternativ ein Forum, in dem Landwirte und Verbraucher gemeinsam den Aufbau einer auf regionalen Produkten basierenden solidarischen Landwirtschaft organisieren? Das könnte die Böden vor weiteren Belastungen durch Kunstdünger schützen und den Landwirten faire Preise für extensiv erwirtschaftete regionale Produkte ermöglichen. Es würde lange Transportwege reduzieren und käme damit dem Klima zugute. Für eine gute Stadtentwicklung braucht es kreative und kompetente Köpfe mit Visionen, die auch landschaftsplanerisch über das Herkömmliche hinausdenken.

Unsere Landwirte sind unbestritten schon immer die Experten für die „Gute fachliche Praxis in der Landwirtschaft“ und die „Ordnungsgemäße Bewirtschaftung ihrer Flächen.“ Sie düngen, sie spritzen und sie errichten im Außenbereich privilegierte Bauten. Sie beeinflussen den Bestand von Rebhuhn, Feldlerche und Kiebitz und sie wirken ein auf die Qualität des Grundwassers und den Zustand unserer Fließgewässer.

Wenn man will, kann man verstehen, dass sich viele von ihnen gegen vermeintliche, immer auch gleich existenzgefährdende Einschränkungen durch Natur- und Landschaftsschutz in der EU oder aktuell bei den Anhörungen zur Aufstellung eines neuen Landschaftsplanes für Leverkusen vehement zur Wehr setzen und dass vor allem die CDU auf diesem populären Trecker mitfahren möchte.

Was ich aber vermisse, ist der lautstarke Widerstand der Bauern gegen den andauernden und weiterhin drohenden Totalverlust an landwirtschaftlichen Produktionsflächen durch die Umwandlung in Bauland für Gewerbe, Wohnen und Infrastruktur, ungebremst forciert durch die Bau- und Planungsämter der Kreise und Kommunen.

Roland Hölzer, Leverkusen 

Die erfreulich rege Teilnahme der Bürgerschaft an den drei Terminen, in denen der neue Landschaftsplan vorgestellt wurde, wurde noch verstärkt durch die lebhafte Diskussion vor allem mit der Baudezernentin Frau Deppe und ihrem Mitarbeiter in der Bauverwaltung Herrn Karl. Verständlicherweise hielt sich das Publikum nicht an die Vorgabe, lediglich Fragen zu stellen, aber bitte doch keine Stellungnahmen abzugeben, was auf Grund der teilweise ungenauen Auskünfte verständlich war.

Widersprüche und Unklarheiten gab es vor allem im Naturschutz, dessen Ausweitung von circa zwei Prozent auf elf Prozent des Stadtgebiets zunächst erfreulich schien, dessen strenge Auflagen allerdings zum Teil sehr gelockert wurden im Vergleich zum bisher gültigen Landschaftsplan. Sehr deutlich wird das etwa am Beispiel Bürgerbusch, dessen Naturschutzflächen zwar erweitert wurden, aber deshalb keineswegs helfen, diesen unseren einzigen nennenswerten Waldbestand vor der weiteren rabiaten wirtschaftlichen Ausbeutung zu schützen: Erst im letzten Jahr wurden unter anderem 37 große alte Eichen gefällt, leider – wie auch schon öfter – unter bedauerlichen Kollateralschäden für die Umgebung.

Schon 1982 forderte der damalige Forstamtmann Lothar Tschirpke auch auf Drängen der staatlichen Forstbehörde auf Grund der erheblichen Schadstoffbelastungen durch Verkehrs - und Industrieemissionen in Leverkusen den viel zu geringen Waldanteil durch Aufforstung von Kiesgruben, Deponien, und auf- gegebenen landwirtschaftlichen Flächen um mindestens 185 Hektar zu erhöhen.

Diese Forderungen sollten 1982 in den damaligen Landschaftsplan aufgenommen werden. Was geschah hingegen? Wir sind immer noch wie damals bei elf Prozent Waldanteil was weit unter dem landesweiten Anteil der Städte in NRW liegt. Der Bürgerbusch leidet weiterhin unter enormen Schadstoffbelastungen. Abgesehen von Schäden am Baumbestand droht auch Artenschwund von Flora und Fauna. 40 Jahre sind seitdem vergangen: Der Bürgerbusch gehört längst in städtischen Besitz und sollte dringend als geschützte grüne Lunge zum reinen Naturwaldumgewidmet werden.

Politik und Verwaltung sollten mit allem Nachdruck sowohl weitere Aufforstungen sowie vor allem den Ankauf des Bürgerbusches verfolgen, den wir in den 80er-Jahren für acht Millionen DM (!) hätten erwerben können, was mehrheitlich abgelehnt wurde. Leverkusen hat 2021 den Klimanotstand ausgerufen. Vor 40 Jahren gab es die weltweite „Klimakrise“ offiziell noch gar nicht, vielleicht die heute Verantwortlichen eher überzeugen, dass Waldschutz einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leistet.

BRIGITTE VON BONIN, LEVERKUSEN

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