2024-06-06_KSTA_Die Stadt will wieder am Bohofsweg bauen

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  • Zuletzt aktualisiert 06/06/2024

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Die Stadt will wieder am Bohofsweg bauen
Auf dem Feld (rechts) am Bohofsweg Ecke An der Wasserkuhl will die Leverkusener Stadtverwaltung jetzt eine Kindertagesstätte bauen. Links endet die Siedlung Mathildenhof.
Auf das Feld am Bohofsweg/In der Wasserkuhl soll jetzt eine Kita (Hintergrund: das Rote Hochhaus von Mathildenhof).
 

Leverkusen - Es ist vier Jahre her, da beerdigte die Stadtverwaltung das Projekt eines Wohnviertels am Bohofsweg in Steinbüchel. Auf dem Feld im Winkel von Bohofsweg und An der Wasserkuhl wollte ein Investor eine „Ökosiedlung“ bauen: hochpreisige Eigenheime auf 800 Quadratmeter großen Grundstücken, die einem besonders hohen Öko-Standard entsprechen sollten. Dazu eine Kindertagesstätte. Die Ökosiedlung wurde dann doch nicht gebaut, weil sie als Bau auf der grünen Wiese, im Kaltluftentstehungsgebiet und auf wertvollem Boden ökologisch nicht vertretbar war. 1,4 Hektar Land sollten in dem Neubaugebiet auf der Steinbücheler Höhe versiegelt werden.

Jetzt soll nach dem Willen der Stadtverwaltung auf der Wiese aber doch gebaut werden, die dafür notwendige Änderung des Flächennutzungsplans und die Aufstellung eines Bebauungsplans lehnte eine große Mehrheit im Naturschutzbeirat allerdings ab. Zwei Mitglieder enthielten sich, alle anderen waren gegen das Projekt.

Der Biologe und ehemalige Leiter des Naturguts Ophoven, Hans-Martin Kochanek, ist jetzt Nabu-Vorsitzender. Man kennt ihn als immer wohltemperiert agierenden Naturschützer, seine Reaktion auf den Verwaltungsvorstoß muss man aber wohl als Wutausbruch werten: „Das ist doch ein übler Trick!“, rief er im Beirat und unterstellte, dass dieses Vorgehen inzwischen Methode im Leverkusener Baudezernat habe. „Leverkusen baut alle Grundstücke drumherum zu und dann heißt es: Jetzt brauchen wir aber noch eine Kita. Eine andere Bebauung wäre dort niemals durchgekommen!“ 2024 sei das Versiegeln und Bauen außerhalb der Siedlungsbereiche keine Option mehr, rief Kochanek, das Land sei zu schützen „1970 hätten Sie mich mit dem Trick noch reingelegt. Heute nicht mehr“, sagte er.

Erheblicher Autoverkehr

Eine sechs-zügige Kita, quasi am Siedlungsrand, könne aus der nahen Umgebung gar nicht gefüllt werden, so ein weiteres Argument im Beirat. Die Einrichtung ziehe erheblichen Autoverkehr an.

Staunend nahmen die Mitglieder im Naturschutzbeirat zur Kenntnis, dass die Stadtverwaltung auf eine frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit in der Sache verzichten will. Die habe es im Januar 2020 für das Bebauungsplan-Verfahren für die damals viel größer geplante „Ökosiedlung“ schon gegeben. Das stimmt. Der „Leverkusener Anzeiger“ hatte anschließend von der durchweg ablehnenden Haltung der bei der Veranstaltung anwesenden Bürger berichtet. Jetzt schreibt die Verwaltung in ihrem Antrag: Aufgrund vielfältiger politischer Diskussionen und zeitnah nicht lösbarer Problemstellungen im Plangebiet hat sich die Stadt Leverkusen im Rahmen ihrer kommunalen Planungshoheit entschieden, an diesem Standort nur die Entwicklung der Kita (ohne Siedlung) weiterzubetreiben.

Das ablehnende Votum des Beirats hat allerdings keine bindende Wirkung. Es kommt bei der Frage, ob die Kita tatsächlich gebaut wird, auf die politischen Gremien an.

Kommentar

Den Druck der Eltern nicht an die Naturschützer weitergeben

Wie ein ungebetener Verwandter, der durch die Hintertür plötzlich wieder in der Küche steht, so muss den Naturschützern das plötzliche Auftauchen des Bauvorhabens am Bohofsweg vorgekommen sein.

Denn an den Argumenten, die gegen einen großen Bau auf der abschüssigen Wiese mit Bäumen am Rand sprechen, hat sich nichts geändert, seit das damalige Projekt an demselben Platz mit dem irreführenden Namen „Ökosiedlung“ zu Grabe getragen wurde.

Klar, es gibt einen Mangel an Kita-Plätzen, der behoben werden muss und die Verwaltung steht seit mindestens zehn Jahren deswegen mächtig unter Druck. Allerdings darf die Stadtverwaltung diesen Druck der Eltern nicht mal einfach so an den Naturschutz weitergeben. Denn das ist offenbar die Strategie im Baudezernat: Jetzt, wo es Gegenwind gibt, scheint es so, als seien die Leverkusener Umweltschützer und die geplagten Eltern ohne Kita-Platz Gegner.

Ein ähnlicher Mechanismus greift im Fall der Feuerwache, die die Verwaltung Auf den Heunen plant — im Landschaftsschutzgebiet. Da werden die streitbaren Naturschützer schuld sein, wenn die Feuerwehr nach Jahren der Planung womöglich ganz ohne große Wache dasteht.

Unlauter ist dieses Vorgehen der Bauverwaltung, denn sie schlägt am Bohofsweg schon wieder einen Bauplatz auf wertvollem Ackerland vor, bei dem klar ist, dass die Umwelt- und Landschaftsschützer nicht anders können, als dagegen zu kämpfen.

Nebenbei: Die Ökos sind fast alle im Rentneralter. Den Kampf gegen Versiegelung, Erhitzung und Naturzerstörung kämpfen sie nicht für sich selbst, sondern für den Nachwuchs in Leverkusen.

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